Facettenreiches Spanien

Detmold – Lippische Landeszeitung

Antonio Vito und Rüdiger Zietz begeistern mit Flamenco

Detmold (isa). Was erwartet man eigentlich von einem Konzert? „Ein musikalischer Vortrag, bei dem Musik für Zuhörer aufgeführt wird“, sagt das Internet-Lexikon Wikipedia. Heutzutage zählt bei vielen Konzerten jedoch mehr die Show als die Musik. Das Duo Antonio Vito/Rüdiger Zietz aus Hamburg, das unter dem Namen“Gota de Fuego“ spanische Musik macht, lässt sich davon nicht abschrecken.

Einzig mit ihren Gitarren und spanischen Rhythmen haben sie auch ohne Show in Detmold Errfolg. Die Zuschauer des „Klangkosmos Weltmusik“ sind begeistert.

Rüdiger Zietz gründete im Jahr 1995 die Flamenco-Formation „Gota de Fuego“ und hatte schon zahlreiche Auftritte in ganz Deutschland. Auch ihm fällt der Geschmack der Zuuschauer auf: „Manchmal reicht schon ein buntes Kleid, um das Publikum glücklich zu machen.“ Trotzdem wagt er mit seinem Kollegen das Experiment. Antonio Vito begründet: „Wir möchten die Zuschauer nicht berieseln, sie sollen auch selbst geistig mit dabei sein.“

So präsentieren sich die zwei Musiker nur mit ihrem Instrument und ihrem Können auf der Bühne: Sevillanas, Alegria, Buleria, Solea und über 50 Facettenten des Flamencos spielen die

Zwei mit Bravour. Eigene Kompositionen erweitern das Repertoire.

Es gibt keinen falschen Ton, sondern fein aufeinander abgestimmte Gitarren, die einen „echten Klang“ übermitteln. Zusätzlich bedienen sie sich an dem Kontrast zwischen gefühllvoller und temperamentvoller Musik – so wie Spanien eben ist.

Die Moderation verrät nur das Nötigste: Themen ihrer Musik, Flamenco-Arten und ab und zu ein paar Anekdoten: „In Spanien ist es nicht immer so, dass die Musiker einfach auf die Bühne kommen und ihr einstudiertes Programm abliefern. Statt dessen gibt es Wettbewerbe, bei denen gelost wird, wer miteinander spielt. Das fördert die Spontaneität!“ Die Zuschauuer lachen.

Keine typische Touristen-Musik

Zu Beginn des Konzertes ist die Stimmung jedoch noch ein wenig zurückhaltend, wie ein Zuschauer bestätigt: „Die Musiker brauchten etwas Zeit, später wurde die Musik immer besser.“ Denn vielleicht zeigt die langsame, nachdenkliche Musik vom Anfang des Konzertes nicht unnbedingt das „spanische Feuer“, das viele Urlauber mit schnellen Rhythmen verbinden. Im Gegensatz zur „typischen Touristen Musik“ liefern „Gota de Fuego“ Spanien in all‘ seinen Facetten und scheuen sich nicht vor Balladen oder gesprochenen, übersetzten Gedichten. In ihren Melodien geht es um die Natur: um drei Flüsse, das Meer, das Leben auf See und der Freuude, wieder an Land zu sein. Zwischendurch jedoch wandelt sich das Bild der ruhigen Musiker zum Bild der „feurigen Spanier“. Der Flamenco ist ihr Mittel –

ob als Original-Version oder Flamenco-Tango.

„Gota de Fuego“ tischt mit den Flamenco-Rjchtungen einen heißen Rhythmus auf, der kein Bein mehr auf dem Boden lässt. Füße und Hände wippen mit. Rüdiger Zietz berichtet:

„Einige hatten auch die Augen geschlossen. Vielleicht ist das auch eine Art Entspannung.“ Ein Zuschauer bekräftigt nach dem Konzert seine Aussage: „Ich war kürzlich in Andalusien im Urlaub und konnte mich durch diesen Flamenco wunderbar daran zurückerinnern. Es ist wie Urlaub zu Hause.“

Am Ende zeigt sich, dass auch Musik allein nach wie vor wunderbar ist. Man braucht nicht zwingend eine Show, denn die Detmolder Zuschauer holen „Gota de Fuego“ auch so zweimal zurück auf die Bühne. Sie bekommen ihre Zugaben und einen wahrhaftigen spanischen Konzertabend.

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