Flamenco ohne Schnickschnack

Gütersloh (gl). „Klangkosmos Weltmusik“ – die Veranstaltungsreihe des Fachbereiches Kultur der Stadt Gütersloh und des Fördervereins historische Kirchen versteht sich bescheiden als „Appetizer“ am frühen Abend. Die Freunde dieser Konzerte wissen aber längst, sie sind viel mehr: Sie schlagen musikalische Brücken zu wenig oder unbekannten Lebensstilen und Kulturen.

Ein besonderes Verdienst erwarb sich am Mittwochabend in der Apostelkirche das spanisch-deutsche Gitarrenduo „Gota de Fuego“, denn sie befreiten in konsequenter Weise den „Flamenco“ von jeglichen touristischem Schnickschnack. Kaum ein anderer Begriff verbindet sich so eng und spontan mit Spanien wie der Flamenco. Gota de Fuego – das sind die beiden Gitarristen Antonio Vito und Rüdiger Zietz – legten in Reise durch die Geschichte des Flamenco eindrucksvoll offen, wie diese Musik durch Zeiten und Räume Elemente aus allen Kulturen aufgenommen hat, mit der sie in Berührung gekommen war. Ursprünglich aus Zigeunertänzen stammend, zeigt sich eine deutliche Verwandtschaft zur arabischen Musik: Nach mitteleuropäischen Hörgewohnheiten weniger melodienhaft, dafür aber mit viel Chromatik. Außer der klanglichen Vielfalt sind es aber besonders die markanten Rhythmen, die den Flamenco so einzigartig erscheinen lassen. In ihren eigenen Kompositionen entwickeln die beiden Gitarristen diesen Aspekt noch weiter: Rhythmische Verschiebungen gehen in völlig freie Rhythmen auf.

Wie es bei jahrhundertealten musikalischen Ausdrucksformen fast normal erscheint, umfasst auch der Flamenco alle menschlichen Lebensbereiche. Aus dem Programm sei hervorgehoben der Gesang der Bergarbeiter unter Tage mit ihrer Sehnsucht nach der Sonne oder die überaus metaphorenreiche Ballade von den drei kleinen Flüssen von Federico Garcia Lorca, von Zietz mit warmer Stimme rezitiert und mit Gitarre hintermalt.
Es liegt im Wesen der Musik, dass sie sich anderen mitteilen will, von den beiden Gitarristen hatte man den Eindruck, sie hätten für sich allein genauso grandios musiziert wie vor einem großen Publikum – so sehr ruhten sie in sich selbst wie in ihrer Musik – in dieser Form nicht alltäglich.

13.10.2006, Die Glocke

Autor: Bernd Heumüller

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